- 🏛️ Ein monumentales Gebäude aus dem Jahr 1922 · der ehemalige Sitz der PKO-Bank in der ul. Wielopole nach Plänen von Adolf Szyszko-Bohusz wird das erste JW Marriott in Krakau.
- 🔨 Baubeginn Ende September 2025 · ein Fertigstellungstermin wurde bewusst nicht genannt.
- 🛏️ 126 Zimmer geplant · in den Räumen der ehemaligen Büros mit außergewöhnlich hohen Decken.
- 🦅 Der polnische Adler kehrt zurück · die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Skulptur wird wieder an der Fassade angebracht.
Manche Baustellen verkünden ihr Eröffnungsdatum noch vor dem ersten Spatenstich. Hier läuft es genau umgekehrt. In der ul. Wielopole in Krakau wird der monumentale ehemalige Sitz der PKO-Bank in ein JW Marriott verwandelt, und der Investor weigert sich, einen Zeitplan zu nennen. „Das braucht seine Zeit“, fasst die Projektleitung zusammen. In einer Branche, die von Eröffnungsdaten lebt, ist dieses Geständnis beachtlich.

Von der Finanzbastion zum Luxushotel
Das Gebäude ist kein gewöhnliches Bürogebäude. Zwischen 1922 und 1924 nach den Entwürfen von Adolf Szyszko-Bohusz erbaut, einem der bedeutendsten Architekten Polens der Zwischenkriegszeit, prägt es mit seiner monumentalen Kolonnade das Stadtbild im Zentrum von Krakau. Die Umbauarbeiten begannen Ende September 2025.
Vor den eigentlichen Bauarbeiten fand eine sorgfältige Bestandsaufnahme und Konservierung statt. Bewegliche Dekorationen wurden in gesicherte Lager gebracht, während feste Strukturen wie historische Holzarbeiten und monumentale Kamine maßgeschneidert verkleidet wurden. Ein Verwaltungsgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert an die Standards eines Fünf-Sterne-Hotels anzupassen, erfordert massive Eingriffe: neue Trennwände, den Einbau von Aufzugsschächten und komplett erneuerte technische Netze.
Die Kuppel, das Parkett und der Adler
Der Charakter des künftigen Hotels zeigt sich vor allem in den Repräsentationsräumen. Der künftige Empfangssaal mit seiner prachtvollen Kuppel wird unter wiederhergestelltem Tageslicht das Herzstück des Hauses bilden. Die Originalparkette werden speziell aufgearbeitet, und das ehemalige Chefbüro als bemerkenswertes Schreinerwerk bewahrt.

Die symbolisch wichtigste Maßnahme betrifft die Außenfassade. Der polnische Adler, eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Skulptur, wird wieder an dem monumentalen Bauwerk angebracht. Die Fassade wird gereinigt, um ihre ursprüngliche Helligkeit zurückzubringen, und die Außenanlagen werden begrünt.
Was das Hotel bieten wird
Die Adresse wird etwa 120 Zimmer und Suiten umfassen. Die großzügigen Volumina der ehemaligen Büros bieten Raum für außergewöhnliche Suiten mit hohen Decken und Blick auf das historische Zentrum. Das reizvollste Detail verbirgt sich im Untergeschoss: Das Spa und der Innenpool ziehen in die ehemaligen Tresorsäle ein. Ein Gourmetrestaurant, dessen Konzept noch enthüllt wird, sowie eine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes runden das Projekt ab.
Wer hinter dem Projekt steht: Józef Wojciechowski und J.W. Construction
Hinter der Marke JW Marriott steht ein polnischer Investor. Das Gebäude in der ul. Wielopole gehört seit 2017 zur J.W. Construction Holding, der Immobilienbaugruppe von Józef Wojciechowski, einem der reichsten Männer des Landes, der es für über 44 Millionen Zloty erworben hat. Der Projektentwickler, bekannt für seine Wohnprojekte in Warschau, baut seit rund fünfzehn Jahren eine Hotelsparte auf, die heute über 2.400 Betten in Polen umfasst – darunter das Czarny Potok Resort SPA & Conference in Krynica-Zdrój und das Hotel Dana in Stettin – und blickt nun auch auf die Seychellen.
Krakau wird sein erster Schritt in den absoluten Luxus und das erste JW Marriott in Polen sein. Die Marke betreibt weltweit rund 125 Hotels, davon neun in Europa. Das vom Konzern angekündigte Programm umfasst 126 Zimmer, ein Fine-Dining-Restaurant, eine JW Bar, einen Pool und ein Spa in den ehemaligen Tresorsälen sowie Konferenzräume. Die Baugenehmigung wurde Mitte 2025 erteilt, die Bauarbeiten begannen im Herbst. Siehe auch die ehemalige Bank Handlowy in Kalisz, ein weiteres polnisches Bankgebäude vor der Umwandlung in ein Hotel.
Ein Hotelmarkt in Krakau im Umbruch
Dieses Projekt steht nicht allein da. Die Bank Pekao bereitete im Sommer 2026 den Verkauf ihres eigenen historischen Gebäudes in der Innenstadt vor, während andere Projekte umgekehrt die Umwandlung bestehender Fünf-Sterne-Hotels in Apartments planen. Krakau entscheidet derzeit bei jedem einzelnen Objekt neu zwischen Prestige-Hotellerie und gehobenem Wohnungsbau. Im Juli 2026 wurden zudem die Straßenbeläge in der nahegelegenen ul. Dietla umgestaltet, um die Zufahrten zum künftigen Hotel vorzubereiten.
Unsere Einschätzung: Das Fehlen eines Datums ist die eigentliche Nachricht
Die Umnutzung historischer Bausubstanz ist zu einem Markenzeichen der Luxushotellerie geworden, und das aus gutem Grund: Ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude erzählt eine Geschichte, die kein Neubau imitieren kann. Die Restaurierung einer Kuppel und die Wiederanbringung eines verschwundenen Adlers zeugen von einer Sensibilität, die internationale Gäste zu schätzen wissen – und Krakau eignet sich dafür besser als die meisten europäischen Städte.
Doch am aufschlussreichsten bleibt die Weigerung, ein Eröffnungsdatum zu nennen. In einer Branche, in der der Eröffnungstermin ein wichtiges Marketinginstrument ist, darauf zu verzichten, bedeutet einzugestehen, dass die Baustelle den Takt angibt und nicht der Marketingkalender. Das ist eher ein gutes Zeichen für die Qualität der Restaurierung. Es bedeutet aber auch, dass man sich gedulden und allen Terminen misstrauen muss, die nicht direkt vom Investor stammen.
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