La façade rouge bengara du ryokan Kai Kaga et son enseigne KAI 加賀, à Yamashiro Onsen
Le Kai Kaga, à Yamashiro Onsen · La Revue des Hôtels

Hoshino Resorts KAI Kaga im Test: 9,7/10 im Luxus-Ryokan

Nach l’OMO5 Kyoto Gion und l’OMO7 Osaka haben wir den roten Noren des Hoshino Resorts KAI Kaga in Yamashiro Onsen in der Präfektur Ishikawa durchschritten. Achtundvierzig Zimmer, drei Bäder, ein auf Kutani-Porzellan serviertes Kaiseki-Abendessen und ein jeden Abend vom Team aufgeführter Löwentanz: Hier sind unsere vollständige Bewertung und unsere Note.

  • Das Wichtigste · Wo: Yamashiro Onsen in Kaga (Präfektur Ishikawa), etwa zehn Autominuten vom Bahnhof Kagaonsen entfernt
  • Das Wichtigste · Das Haus: 48 Signature-Zimmer, eingekleidet in lokale, gefärbte Papiere und Textilien
  • Das Wichtigste · Das Bad: Drei Thermalbereiche im Hotel sowie freier Zugang zum Ko-Sōyu, dem historischen öffentlichen Bad direkt gegenüber
  • Das Wichtigste · Die Geschichte: Ein 1624 gegründetes Ryokan, dessen Hauptgebäude und Teehaus zu den registrierten materiellen Kulturgütern gehören
  • Das Wichtigste · Die Exklusivität: Das erste Thermal-Ryokan Japans mit einer eigenen Kintsugi-Werkstatt für die Kunst der Keramikreparatur mit Gold
  • Das Wichtigste · Der Abend: Ein vom Personal allnächtlich aufgeführter Shishi-Löwentanz
  • Das Wichtigste · Unsere Note: 9,7/10
Im Video · Unser Aufenthalt im KAI Kaga
Steinbäder vor Kutani-Paneelen, die Reparatur eines zerbrochenen Stücks mit Goldpulver und der Löwentanz nach dem Abendessen: Unser Aufenthalt im Hoshino Resorts KAI Kaga, hautnah gefilmt. Beitrag auf Instagram ansehen

Ein Ryokan, das mit einem roten Vorhang beginnt

Alles beginnt mit dem Noren, diesem dunkelroten Stoffvorhang mit dem Pflaumenblüten-Wappen – dem Emblem des Lehens Kaga –, den man mit der Hand zur Seite schieben muss, um einzutreten. Dahinter führt ein Steinpfad durch einen Garten, bevor man das Haus erreicht. Diese Schwelle gibt den Ton an: Das Hotel wurde so konzipiert, dass man es langsam durchschreitet, im Rhythmus des umliegenden Kurorts. Die Gebäude aus dunklem Holz und hellem Putz gruppieren sich um einen gepflasterten Hof im Schachbrettmuster, und der Empfang findet im Sitzen statt, mit einer Tasse Tee vor sich und ohne Rezeptionstheke.

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Hoshino resorts KAI Kaga
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◆ In Bildern · Die Ankunft im Hotel

Le noren rouge à fleurs de prunier blanches de l'entrée du KAI Kaga, frappé du logo KAI 加賀La façade du KAI Kaga et sa lanterne portant l'idéogramme de Kaga, à la tombée du jourLes bâtiments de bois du ryokan KAI Kaga, à Yamashiro Onsen

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Vor dem KAI Kaga: Das Shiroganeya, ein Ryokan seit 1624

Das Gebäude wurde nicht für Hoshino Resorts errichtet, und das spürt man sofort, wenn man darin umhergeht. Die Adresse hieß einst Shiroganeya (白銀屋), ein 1624 zu Beginn der Edo-Zeit gegründetes Ryokan, das lange Zeit das einzige in Yamashiro Onsen war, das den Charme dieser Epoche bewahrt hatte. Zwei Bereiche gehören heute zu den registrierten materiellen Kulturgütern Japans: das Hauptgebäude, eine zweigeschossige Holzkonstruktion aus der Bunsei-Ära zwischen 1818 und 1830, sowie das Teehaus aus der Meiji-Zeit.

Hoshino Resorts hat das Haus übernommen und am 1. Oktober 2012 als siebte Adresse der Marke unter dem Namen KAI wiedereröffnet. Es folgten Restaurierungsarbeiten in den Jahren 2014 und 2015 unter der Leitung von auf historische Denkmäler spezialisierten Zimmerleuten: Das Tragwerk wurde Stück für Stück demontiert, Stützen und Balken wurden abgetragen, einzeln überarbeitet und anschließend wieder montiert. Hinter dem historischen Gebäude wurde ein achtstöckiger neuer Zimmerflügel errichtet, der sich an die Architektur des Viertels anpasst. Dort schläft man, während die unter Denkmalschutz stehenden Bereiche die Gemeinschaftsräume beherbergen.

Bleibt der Name, der alles andere erhellt. Kitaōji Rosanjin, Keramiker und Gastronom, war ein Stammgast im Shiroganeya, und eine Zimmerkategorie trägt noch heute seinen Namen. Auf ihn geht ein in Japan berühmter Ausspruch zurück, dem zufolge das Geschirr der Kimono des Gerichts ist. Aus diesem Blickwinkel betreibt das Haus kein bloßes Dekorationsspiel mit der Keramik: Es setzt das Erbe eines Gastes, der vor einem Jahrhundert zu Gast war, buchstabengetreu um – vom Kintsugi bis zu den bei jedem Service gereichten Kutani-Stücken.

Ein Garten im Zentrum und eine Bank zum Verweilen

Der Garten ist kein bloßes Beiwerk an der Seite: Er nimmt das Herz des Hauses ein, und die Gemeinschaftsräume sind verglast, damit man ihn stets im Blick behält. Hofseitig zeichnet eine polierte Steinterrasse ein großes Schachbrettmuster aus schwarzen, weißen und farbigen Dreiecken, das das Licht des späten Nachmittags einfängt und die Ziegeldächer des Gebäudes widerspiegelt. Eine in Form geschnittene Kiefer, platzierte Felsen, einige niedrige Laternen: Nichts ist exuberant, alles beruht auf perfekten Proportionen.

Auf der anderen Seite übernimmt der begrünte Teil: Moosteppiche, Farne, Ahornbäume, Kiefern, geharkter Kies und ein kleiner Holzpavillon mit Lamellen. Eine lange Holzbank verläuft entlang des Gartenbereichs, und genau hier lässt man sich im Yukata und mit einem Glas in der Hand zwischen Bad und Abendessen nieder. An diesem Ort bringt das Haus im Sommer auch seine Windspiele und im Herbst seine Mizuhiki-Laternen an.

◆ In Bildern · Der Garten

La terrasse en damier de triangles du jardin intérieur du KAI Kaga, vue depuis les parties communes vitréesLe jardin de mousse du KAI Kaga, depuis la banquette de bois où l'on s'assoit en yukataLes carillons à vent de mizuhiki suspendus au-dessus du jardin du KAI Kaga, la nuit

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Zimmer wie Handwerkerateliers

Die 48 Zimmer tragen die Handschrift der Region statt einer beliebigen Hoteldekoration. Jedes gliedert sich in zwei Bereiche: einen Tatami-Salon mit einem niedrigen Sofa und einem lackierten Tisch sowie, hinter Papierwänden, ein dunkles Podest, auf dem die Betten ruhen. Das mit hellem Papier bespannte Betthaupt ist mit Medaillons in Blattgoldoptik akzentuiert – einem Markenzeichen der Region –, und die Tagesdecken greifen ein gewebtes burgunderrotes Motiv auf. Washi-Papiere, gefärbte Textilien, Yamanaka-Lackwaren und Kutani-Keramiken ergeben ein stimmiges Vokabular, das sich bis zum Teebereich auf dem Sideboard fortsetzt.

Das moderne und funktionale Badezimmer öffnet sich zu einer kleinen, durch Holzlamellen geschützten Terrasse. Die angebotenen Pflegeprodukte sind japanischen Ursprungs und werden in farbigen Fläschchen präsentiert, passend zu den Keramikbechern im Regal. Nichts erinnert daran, dass man sich in einem Haus mit 48 Schlüsseln befindet, und die Stille – auf den Fluren ebenso wie im Zimmer – trägt entscheidend dazu bei.

◆ In Bildern · Das Zimmer

Les lits sur estrade d'une chambre du KAI Kaga, tête de lit ponctuée de médaillons à la feuille d'orLe coin salon en tatami d'une chambre du KAI Kaga, ouvert sur l'espace nuitLa salle de bain d'une chambre du KAI Kaga, ouverte sur une terrasse à claire-voieLes produits de soin mis à disposition dans la salle de bain du KAI KagaLes shampoings et gels de la salle de bain d'une chambre du KAI KagaLe service à thé disposé dans une chambre du KAI KagaUn couloir du ryokan KAI Kaga

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Die Bäder: Hoteleigene Quellen und der Schatz von gegenübere

Das KAI Kaga schöpft aus der seit über 1.300 Jahren genutzten Quelle von Yamashiro Onsen und verfügt über eigene Bäder. Das aus poliertem grünem Stein gehauene Innenbecken verläuft entlang einer Holzwand, die mit vier großen Kutani-Porzellanpaneelen geschmückt ist: geometrische Motive, Pfingstrosen auf gelbem Grund, Goldfische und Landschaften in Blautönen, die jeweils wie ein Gemälde von hinten beleuchtet werden. Eine Fensterfront erstreckt sich über die gesamte Länge, und das glühend heiße Wasser fließt durch eine schlichte Holzrinne ein. Es ist dicht und ausgeprägt mineralisch – man kehrt vor dem Abendessen und am Morgen gerne dorthin zurück.

Das Außenbad schließt sich nahtlos an: ein flaches Becken, eingefasst von hellen Platten, offen zu einem Garten aus Bambus, geschnittenen Kiefern und geharktem Kies, umgeben von einem geflochtenen Bambuszaun. Bei Nacht wird es von einer mondförmigen Leuchte von der Oberseite der Mauer beleuchtet. Der schlichte und makellose Umkleidebereich rundet das Erlebnis ab, während eine Schautafel die verschiedenen Badetypen in den Häusern der Gruppe erklärt.

◆ In Bildern · Das Onsen des Hotels

Le bain intérieur du KAI Kaga et ses quatre panneaux de porcelaine de Kutani rétroéclairésLe bain extérieur du KAI Kaga, ouvert sur un jardin de bambous et de pins taillésLe luminaire en forme de lune qui éclaire le bain extérieur du KAI KagaLe vestiaire de l'onsen du KAI KagaLe panneau détaillant les différents types de bains des ryokans Hoshino resorts KAI

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Doch der Kurort hält nur wenige Schritte vom Eingang entfernt noch etwas Besseres bereit: Das Ko-Sōyu, ein öffentliches Bad, das 2010 getreu dem historischen Badehaus aus der Meiji-Zeit rekonstruiert wurde. Man erkennt es an seiner Holzfassade und dem schwarzen Noren mit den drei Schriftzeichen 古総湯. Es beherbergt Holzarbeiten aus Zypressenholz, farbige Buntglasfenster, mit Kutani-Porzellanfliesen ausgelegte Böden und Ränder sowie am Beckenrand bereitgestellte Holzschemel: Man betritt es wie ein historisches Filmset. Der Eintritt ist im Aufenthalt inbegriffen, und die lokale Słitte besagt, dass man im Yukata von seinem Ryokan dorthin spaziert. Unserer Ansicht nach das absolute Thermal-Highlight in Yamashiro.

◆ In Bildern · Das Ko-Sōyu, das öffentliche Bad von Yamashiro

La façade de bois du Ko-Sōyu, le bain public de Yamashiro Onsen situé face au KAI KagaLe Ko-Sōyu de Yamashiro Onsen, bain public reconstitué avec ses vitraux colorés et ses carreaux de Kutani, face au KAI Kaga

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Eine Küche, die Ishikawa erzählt, Gang für Gang

Das Kaiseki-Abendessen wird in halbprivaten Salons zu einer von zwei Servicezeiten um 17:30 Uhr oder 19:30 Uhr serviert. Die saisonale Karte folgt eng der Küste des Japanischen Meeres: gedämpfte Abalone, Nodoguro (jene von Japanern als einer der edelsten Fische des Archipels geschätzte „schwarze Barsche“), Fugu als Shabu-Shabu in Fischbrühe und zum Abschluss in Meeresfrüchten geschmorter Reis.

Jedes Gericht wird auf einem anderen Stück Kutani-Porzellan serviert, das das Hotel teilweise direkt bei lokalen Handwerkern in Auftrag gibt – das Haus spricht selbst von einer „Vermählung von Geschirr und Kochkunst“. Yamanaka-Lackwaren für die Schalen mit Deckel, strahlende Keramik für die Vorspeisen: Das Geschirr erzählt eine ebenso große Geschichte wie das Gericht selbst.

Von November bis März stellt das Haus auf ein Menü um, das ganz im Zeichen der Krabbe steht. Sie wird als anderthalb Portionen pro Tier serviert: gedämpft, gegrillt und als Sashimi. Die High-End-Variante namens KIWAMI bietet eine zertifizierte Marktkrabbe mit Originaletikett. Die Sake-Karte verdient besondere Aufmerksamkeit: Sie stammt ausschließlich aus der Präfektur Ishikawa – vom Tedorigawa aus Hakusan über den Kagatobi aus Kanazawa bis hin zu zwei Suden direkt aus Kaga, jeweils versehen mit Alkoholgehalt und einer englischen Verkostungsnotiz. Das Frühstück wird von 7:15 Uhr bis 9:00 Uhr gereicht und bietet eine japanische Auswahl rund um eine Megisu-Suppe, einen lokalen Fisch. Die westliche Variante hat nichts mit einem internationalen Hotelbuffet gemein: Oden-artiger Pot-au-feu, Yuzusaft, Salat mit Amazake-Karotten-Dressing, spanische Omeletts, Serrano-Schinken, Caponata, Räucherlachs, Frischkäse, drei Brotsorten und Joghurt. Vegetarische Wünsche und Kindermenüs können im Voraus reserviert werden.

◆ In Bildern · Zu Tisch

Le petit-déjeuner japonais du KAI Kaga, servi autour d'une soupe de megisuUn service du dîner kaiseki du KAI Kaga, dressé sur porcelaine de KutaniUne tempura servie sur une assiette de Kutani aux motifs rouges et turquoiseLe bœuf saisi au réchaud pendant le dîner au KAI KagaUne entrée présentée dans un bol de laque de YamanakaLe dessert du dîner kaiseki au KAI KagaLe petit-déjeuner japonais servi au KAI KagaLa carte des sakés du KAI Kaga, composée uniquement de brasseries de la préfecture d'IshikawaLe menu du petit-déjeuner occidental du KAI Kaga, en japonais et en anglais

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Das Hotel-Highlight: Der Löwentanz

Jeden Abend nach dem Abendessen verwandelt sich der Gemeinschaftsraum des Hotels in eine Bühne. Das Haus nennt diesen Termin KAI Cultural Discovery: Er ist kostenlos, erfordert keine Reservierung und steht Gästen jeden Alters offen. Das KAI Kaga zeigt hier seine Version des Shishimai, des Löwentanzes, einer regionalen Tradition, deren Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen und die in der gesamten Präfektur Ishikawa lebendig geblieben ist.

Das Prinzip gleicht einem rituellen Kampf: Ein mit einem Stab bewaffneter Krieger tritt gegen den Shishi an, einen mythischen Löwen, dessen weiß-goldener Holzkopf mit den Kiefern klappert, während ein zweiter Tänzer den Körper unter einem roten Stoff steuert. Die Choreografie ist hier eine zeitgenössische Neuinterpretation, aufgeführt vor einem mit Pfingstrosen bemaltem Wandbehang und kalligraphierten Paravents. In der lokalen Tradition vertreibt das Tier die bösen Geister, bevor es besänftigt wird – eine Geste, die dem Haus und seinen Gästen Glück bringen soll.

Das Detail, das den Unterschied macht: Es handelt sich nicht um eingeladene Künstler, sondern um das Hotelpersonal selbst – dieselben Mitarbeiter, die eine Stunde zuvor das Abendessen serviert haben. Die Bewegungen sind präzise, der Rhythmus straff, und der um die Bühne versammelte Raum hält den Atem an. Hoshino Resorts wendet dieses Prinzip in all seinen KAI-Häusern an: Jedes Haus setzt das Kunsthandwerk oder die darstellende Kunst seiner Region in Szene, aufgeführt von den eigenen Angestellten.

◆ In Bildern · Der Löwentanz

La danse du lion shishi interprétée chaque soir par le personnel du KAI KagaLe spectacle du soir au KAI Kaga, devant une tenture peinte de pivoinesLa tête de lion du shishimai exposée dans l'hôtel, à côté de tasses de porcelaine de Kutani

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Der Kintsugi-Workshop: Eine japanweite Exklusivität

Es ist das stärkste Alleinstellungsmerkmal des Hauses und noch ein echtes Geheimnis: Das KAI Kaga ist das erste Thermal-Ryokan Japans, das über eine eigene Kintsugi-Werkstatt verfügt – jene Kunst, bei der zerbrochene Keramik repariert wird, indem man die Risse mit Gold betont statt sie zu verbergen. Der Workshop, den das Haus als „den ersten Kintsugi-Workshop in einem Thermal-Ryokan Japans“ bewirbt, trägt den Namen „Das ABC des Kintsugi“. Im April 2023 eröffnet, hatte er bis zum Frühjahr 2024 bereits über 1.600 Teilnehmer gezählt. Die Sitzung ist für Hotelgäste ab zwölf Jahren nach vorheriger Reservierung kostenlos.

Die Werkstatt befindet sich in einem eigenen Raum mit zinnoberroten Bengara-Wänden und mit Keramiken gefüllten Regalen, in dem jeder Arbeitsplatz wie ein Gedeck vorbereitet ist. Man repariert dort ein zerbrochenes Stück: Der Riss wird zunächst zusammengefügt und geklebt, und sobald die Fuge getrocknet ist, trägt man mit dem Pinsel Goldpulver auf – Schritt für Schritt, bis aus dem Bruch eine goldene Linie wird. Die Bewegung erfordert Ruhe und Akribie, und am Ende nimmt man sein eigenes Stück wieder mit nach Hause.

Das Konzept geht weit über handwerkliches Geschick hinaus: In der dahinterstehenden Philosophie ist das reparierte Objekt wertvoller als das intakte, da es seine eigene Geschichte trägt. Ein Ansatz, der in einer Region, in der Blattgold und Kutani-Keramik die beiden großen Signaturen sind, vollkommen aufgeht. Die restaurierten Stücke landen keineswegs in einer Museumsvitrine, sondern stehen auf den Regalen der Werkstatt aufgereiht, jedes mit seiner goldenen Narbe.

◆ In Bildern · Die Kintsugi-Werkstatt

Le poste de travail de l'atelier de kintsugi du KAI Kaga : plateau de bois, bol de poudre d'or, pinceau et gants blancsLa salle de l'atelier de kintsugi du KAI Kaga, murs rouge bengara et postes de travail dressésUne pièce brisée en cours de réparation pendant l'atelier de kintsugi du KAI KagaLa poudre d'or utilisée pour recouvrir la jointure d'une céramique réparéeLa pose de l'or au pinceau sur la fêlure, dernière étape de l'atelier de kintsugiLes céramiques réparées au kintsugi, alignées sur les étagères de l'atelier du KAI Kaga

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Die Bengara Lounge: Wo man sich seine Tasse aussucht

Die im März 2024 im alten Hotelflügel eines Edo-zeitlichen Gebäudes eröffnete Bengara Lounge (べんがらラウンジ) verdankt ihren Namen dem Bengara, jenem roten Eisenoxidpigment, mit dem die Holzgitter der Fassade gestrichen sind – das berühmte Bengara-Gōshi, das einst das Shiroganeya auf der Straße ankündigte. Die Bar trägt somit die Farbe des Gebäudes. Das Konzept ist so simpel wie beglückend: Man wählt das Gefäß, aus dem man serviert wird, selbst aus über hundert Keramikstücken in den Regalen aus.

Es handelt sich um einen reinen Spätabend-Treffpunkt: Die Lounge öffnet um 20:00 Uhr und schließt um 22:30 Uhr (letzte Bestellung um 22:00 Uhr). Das Angebot besteht aus zwei Schritten: ein Getränk nach Wahl aus drei Sakes, einem Whisky, einem Shōchū, einem Gin oder einem Pflaumenlikör, gefolgt von einer Kleinigkeit wie Pickles, Trockenfrüchten oder Süßigkeiten, begleitet von drei Pintxos-artigen Häppchen aus Hokuriku-Produkten. Der Preis liegt bei 3.500 Yen pro Person, weitere Bestellungen ab 700 Yen. Die runden Sitzbänke mit Blick auf die Lamellenfenster blicken auf den dreizehn Jahrhunderte alten Kurort. Zwei Dinge gilt es zu beachten: Der Zugang erfordert eine Reservierung, und die Lounge ist Gästen ab 20 Jahren vorbehalten.

Das Servieren erfolgt auf einem Tablett mit goldenen Mizuhiki-Knoten, wobei die Trockenfrüchte in einer fischförmigen Kutani-Schale gereicht werden – selbst beim Gin Tonic bleibt das Haus seinem Kunsthandwerk treu. Für Naschkatzen serviert das Haus Gelati aus der Milch der benachbarten Halbinsel Noto in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Für Familien bietet das Hotel eine Alternative: einen Ruheraum gegenüber dem Ko-Sōyu, in dem nach dem Bad Getränke und Süßigkeiten ohne Reservierung oder Altersbeschränkung gereicht werden.

◆ In Bildern · Die Bengara Lounge

Le mur de vaisselle du Bengara Lounge : assiettes de Kutani, tasses et verres parmi lesquels on choisit la sienneLe Bengara Lounge, salon aux murs rouges ouvert sur la station thermaleUn gin tonic servi au Bengara Lounge, sur un napperon de mizuhiki doré, avec fruits secs et douceurs japonaisesLes gelati au lait de Noto proposés au barLa carte du Bengara LoungeLa Revue des Hôtels au Bengara Lounge, lors de son séjour

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Was das Hotel zusätzlich und im Preis inbegriffen bietet

Die KAI-Marke verfolgt das Prinzip, ihre kulturellen Aktivitäten kostenlos anzubieten, und das KAI Kaga bildet da keine Ausnahme: Der Abendtanz, die Kintsugi-Werkstatt und der Eintritt in das Ko-Sōyu kosten die Gäste keinen Aufpreis. Letzterer Punkt verdient besondere Erwähnung: Das historische öffentliche Bad gegenüber gehört offiziell zu den im Aufenthalt inkludierten Leistungen.

Hinzu kommen saisonale Erlebnisse rund um das Mizuhiki, die Kunst der gedrehten Papierknoten, deren Wiege Ishikawa ist: im Juli und August an der Teegartenterrasse aufgehängte Windspiele, gefolgt von farbigen Laternen, die den Hof von September bis November beleuchten. Im Sommer runden Erfrischungsbereiche und kühle Drinks die Bademomente ab. Schließlich wird ein Massageservice auf Reservierung ab sechzehn Jahren angeboten.

Was Sie vor der Buchung wissen sollten

Der Check-in erfolgt ab 14:30 Uhr, der Check-out um 11:00 Uhr; das Abendessen wird um 17:30 Uhr oder 19:30 Uhr und das Frühstück von 7:15 Uhr bis 9:00 Uhr serviert. Rechnen Sie mit etwa zehn Autominuten vom Bahnhof Kagaonsen, der vom Hokuriku Shinkansen aus Tokyo angefahren wird, sowie knapp einer Stunde von Kanazawa. Wie bei den anderen Ryokans von Hoshino Resorts KAI ist der Aufenthalt an das Abendessen und Frühstück gekoppelt – ein untrennbarer Teil des Erlebnisses. Ein einziger kleiner Wermutstropfen: Das Ryokan-Format gibt den zeitlichen Rahmen streng vor. Mit einem Abendessen um 17:30 Uhr oder 19:30 Uhr und der unmittelbar anschließenden Show verläuft der Abend durchgeplant, was wenig Spielraum lässt, wenn man im Kurort ausgehen möchte.

Unser Fazit

Das KAI Kaga gelingt, was vielen modernisierten Ryokans misslingt: von Handwerk zu erzählen, ohne es zur bloßen Dekoration verkommen zu lassen. Keramik, Lackwaren, Blattgold und der Löwentanz sind keine bloßen Accessoires im Foyer – sie sind die Alltagsgegenstände, die man benutzt, das Geschirr, von dem man isst, die Tasse, die man in der Werkstatt eigenhändig repariert, und das Spektakel, das von jenen dargeboten wird, die einen bedienen. Das Ko-Sōyu gleich nebenan rechtfertigt die Reise nach Yamashiro ganz allein. Unsere Note: 9,7/10. Buchungen erfolgen über die offizielle Website von Hoshino Resorts.

Unser Fazit
Fazit:
Ein Ryokan, das das Handwerk von Kaga erlebbar macht, statt es nur auszustellen: ein einzigartiger Kintsugi-Workshop in der japanischen Thermalhotellerie, Kaiseki serviert auf Kutani-Porzellan und Yamanaka-Lackwaren, von den Teams dargebotener Löwentanz und freier Zugang zum Ko-Sōyu direkt gegenüber.
Onsen und Wellness
10
Gastronomie und Frühstück
9.8
Zimmer
9.6
Service und Empfang
9.8
Rahmen und Authentizität
10
Preis-Leistungs-Verhältnis
9.2
Leserwertung0 Bewertungen
0
Die Pluspunkte:
Der Kintsugi-Workshop, der erste seiner Art in einem japanischen Thermal-Ryokan, kostenlos und nach Reservierung
Freier Zugang zum Ko-Sōyu, dem rekonstruierten öffentlichen Bad aus der Meiji-Ära direkt gegenüber
Das Kaiseki in einem halbprivaten Salon, serviert auf Kutani-Geschirr, das bei regionalen Handwerkern in Auftrag gegeben wurde
Der Löwentanz, der jeden Abend vom Personal aufgeführt wird, kostenlos und für alle offen
Saisonale Veranstaltungen rund um Mizuhiki, Windspiele im Sommer und Laternen im Herbst
Die Minuspunkte:
Das Ryokan-Format schränkt den Abend ein: Abendessen um 17:30 Uhr oder 19:30 Uhr, direkt anschließende Show, und die Bengara Lounge ist Gästen über zwanzig vorbehalten
9.7
/10
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⭐ Gesamtnote
9,7/10
50 % Redaktion · 50 % Leser · Leserstimmen zählen ab 3 Bewertungen
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