- 💷 Das Volumen · 2,1 Milliarden britische Pfund an Hotelverkäufen im Vereinigten Königreich zwischen Januar und Juni 2026. Das sind laut Savills fast 500 Millionen mehr als im ersten Semester 2025.
- 🇪🇺 Die Bedeutung in Europa · 24 % des europäischen Volumens: Das Vereinigte Königreich bleibt der wichtigste Hotelmarkt des Kontinents für Investoren.
- 🏙️ London · 1,4 Milliarden Pfund, 69 % der nationalen Gesamtsumme, wovon 1,3 Milliarden auf Einzelobjekte entfallen (Hotel für Hotel statt Portfolios).
- 🧾 Wer kauft · Eigner-Betreiber (40 %) und Private-Equity-Fonds (37 %), die Qualitätsassets in Märkten mit solider Nachfrage bevorzugen.
- 🏨 Die Regionen · Crowne Plaza Marlow und Reading (rund 80 Millionen Pfund für beide), Courtyard by Marriott Oxford City Centre (74 Millionen), hub by Premier Inn Edinburgh.
- 🔭 Der Ausblick · Savills erwartet ein zweites Halbjahr, das von Top-Objekten getragen wird – mit dem Vorbehalt, dass politische und geopolitische Risiken die Entscheidungen im dritten Quartal bremsen könnten.
Der europäische Hotelmarkt hat seinen Motor gefunden. Im ersten Halbjahr 2026 wechselten im Vereinigten Königreich Hotels im Wert von 2,1 Milliarden britischen Pfund den Eigentümer, wie Erhebungen von Savills zeigen. Das entspricht fast einem Viertel des gesamten Investitionsvolumens auf dem Kontinent. Die Summe stieg im Jahresvergleich um rund 500 Millionen Pfund – und das in einem Umfeld, das nach wie vor von erhöhten Zinssätzen und unter Druck stehenden Betriebskosten geprägt ist. Vor allem bestätigt dies eine klare Entwicklung: Kapital fließt in hochwertige, gut gelegene und professionell geführte Immobilien, wobei London hierbei die wichtigste Adresse bleibt.
Inhalt
- 2,1 Milliarden Pfund in sechs Monaten: Was die Savills-Zahlen verraten
- London zieht 1,4 Milliarden Pfund an – Hotel für Hotel
- Wer kauft: Operative Betreiber vor Fonds
- Außerhalb von London: Marlow, Reading, Oxford und Edinburgh
- Zweites Halbjahr: Solide Fundamentaldaten, geopolitische Vorsicht
- Unsere Einschätzung
2,1 Milliarden Pfund in sechs Monaten: Was die Savills-Zahlen verraten
Das erste Quartal hatte mit mehr als 1,1 Milliarden Pfund an Transaktionen bereits den Ton angegeben (ein Anstieg von 63 % gegenüber den 680 Millionen im Auftaktquartal 2025). Das zweite Quartal hielt dieses Tempo und trieb das Halbjahresergebnis auf 2,1 Milliarden Pfund. Der Anteil des Vereinigten Königreichs an den europäischen Hotelinvestitionen liegt bei 24 % – weit vor seinen Nachbarn, und das zu einer Zeit, in der auf mehreren Kontinentmärkten die Volumina mangels verfügbaren Angebots schrumpfen.
| Investitionsvolumen | 2,1 Milliarden Pfund |
| Entwicklung zum Vorjahr | rund + 500 Millionen Pfund |
| Europa-Anteil | 24 % |
| London | 1,4 Milliarden Pfund, 69 % des Gesamtsumme |
| Einzelimmobilien in London | 1,3 Milliarden Pfund |
| Eigner-Betreiber | 40 % der Akquisitionen |
| Private Equity | 37 % der Akquisitionen |
| Erstes Quartal | 1,1 Milliarden Pfund, + 63 % zum Vorjahr |
London zieht 1,4 Milliarden Pfund an – Hotel für Hotel

Die Hauptstadt absorbierte 1,4 Milliarden Pfund und damit 69 % des nationalen Volumens. Die Details sprechen Bände: 1,3 Milliarden Pfund dieser Londoner Transaktionen entfallen auf Einzelimmobilien – also gezielte Hotelkäufe statt ganzer Portfolios. Käufer wollen ihre Wunschadresse, ihr Viertel und ihren Betreiber selbst aussuchen und sind bereit, dafür einen entsprechenden Preis zu zahlen. Mayfair, Belgravia, Knightsbridge und neuerdings auch die City sowie Shoreditch konzentrieren den Hauptanteil der Nachfrage, angetrieben von Rekordauslastungen und historischen Höchstwerten bei den Durchschnittspreisen.
Diese Präferenz für Einzelobjekte erklärt sich auch durch das knappe Angebot. In London wird nur selten neues Luxushotellerie-Eigentum geschaffen, und Großprojekte wie die Umbauphase des Admiralty Arch zum Waldorf Astoria erfordern jahrelange Arbeit. Der Erwerb eines bestehenden Hotels bleibt der schnellste Weg, um von einer Rekordnachfrage im Tourismus zu profitieren, wobei die Saison 2026 die stärkste seit der Pandemie zu werden verspricht.
Wer kauft: Operative Betreiber vor Fonds
Zwei Profile dominierten das Halbjahr. Eigner-Betreiber, die ihre Hotels sowohl besitzen als auch führen, machen 40 % der Akquisitionen aus – ein Zeichen dafür, dass sie an den Wert ihres Fachwissens in einem Markt glauben, in dem die operative Performance den Unterschied ausmacht. Private-Equity-Fonds folgen mit 37 %, häufig bei Repositionierungsfällen, bei denen Renovierungen oder ein Markenwechsel in wenigen Jahren neuen Wert schaffen. Institutionelle Investoren und Staatsfonds runden das Bild ab; sie agieren selektiver und konzentrieren sich vor allem auf die prestigeträchtigsten Londoner Trophäen-Assets.
David Kellett, Leiter der EMEA-Hotelkapitalmärkte bei Savills, fasst die Geisteshaltung der Käufer zusammen: Kapital stehe „für die richtigen Immobilien an Standorten bereit, die durch robuste Nachfragetreiber gestützt werden“. Die Solidität der operativen Fundamentaldaten und die Tiefe des verfügbaren Kapitals rechtfertigen seiner Ansicht nach einen positiven Blick auf die besten Assets des Marktes.
Außerhalb von London: Marlow, Reading, Oxford und Edinburgh
Auch die Regionen standen mit mehreren wegweisenden Transaktionen nicht zurück. Am 20. April 2026 schloss Millemont Capital Partners den Erwerb des Crowne Plaza Marlow (168 Zimmer) und des Crowne Plaza Reading (174 Zimmer) ab. Die beiden Hotels im Themsetal wurden von Meridian Leisure Hotels für geschätzte 80 Millionen Pfund veräußert. Am 22. Juli unterzeichnete derselbe Käufer zudem die größte urbane Transaktion außerhalb Londons in diesem Jahr: das Courtyard by Marriott Oxford City Centre mit 169 Zimmern (eröffnet 2019, mit einer Auslastung, die regelmäßig über 90 % liegt) für 74 Millionen Pfund von Dominus, die das Objekt 2014 erworben hatten. Ashley Shaw, Geschäftsführer von Millemont, betont die Mischung aus touristischer, universitärer und geschäftlicher Nachfrage, die Oxford zu einem der begehrtesten Märkte des Landes macht.
In Schottland wechselte zudem ein hub by Premier Inn in Edinburgh den Besitzer, was den Appetit von Investoren auf kompakte Budget-Hotels in den regionalen Hauptstädten unterstreicht. Neben diesen Einzelobjekten zirkulieren weiterhin auch gemischte Midscale-Portfolios, wie etwa die sieben Novotel- und ibis-Hotels, die früher im Jahr von Starboard und LaSalle übernommen wurden.

Zweites Halbjahr: Solide Fundamentaldaten, geopolitische Vorsicht
Savills rechnet mit einem zweiten Halbjahr, das durch reichlich Kapital und ein in Großstädten weiterhin knappes Zimmerangebot gestützt wird. Das Beratungshaus fügt jedoch einen Vorbehalt hinzu: Politische und geopolitische Risiken könnten im dritten Quartal die Entscheidungen von Investoren belasten. Bestens positionierte Objekte und besonders performante Regionalmärkte wie Oxford, Edinburgh, Bath oder Cambridge dürften weiterhin Käufer anziehen, während ältere Hotels ohne Renovierungsprogramm schwieriger zu verkaufen sein werden.
Unsere Einschätzung
Diese 2,1 Milliarden Pfund zeugen weniger von Euphorie als vielmehr von gezielter Auswahl. Käufer setzen nicht mehr pauschal auf den britischen Gesamtmarkt, sondern auf konkrete Hotels in bestimmten Städten mit verlässlichen Betreibern. Das ist eine gute Nachricht für Adressen, die in ihr Produkt investieren, und eine Warnung für alle anderen. Reisende spüren diesen Effekt bereits an den kontinuierlichen Renovierungen von Marlow bis Oxford sowie in einer Hauptstadt, in der jeder Eigentümerwechsel inzwischen mit einer Aufwertung einhergeht.









