- 🏝️ Der Ort · Insel Mamula, am Eingang der Bucht von Kotor in Montenegro, in einem zum Welterbe erklärten Gebiet.
- 🏰 Die Festung · Erbaut im 19. Jahrhundert von der österreichischen Armee zu Verteidigungszwecken.
- 🕯️ Die Geschichte · Im Jahr 1942 internierten die italienischen faschistischen Besatzer dort etwa 2.000 Menschen für rund achtzehn Monate. Mehr als hundert starben dort durch Hinrichtung oder Hunger.
- 🏨 Das Hotel · Eröffnet im Jahr 2023, übernommen von der Marke Banyan Tree für die Saison 2026. 32 Zimmer und Suiten.
- 🖼️ Die Gedenkstätte · Eine Gedenkgalerie zeigt die Geschichte der Insel, persönliche Gegenstände, Zeitzeugenberichte und die Namen der Gefangenen.
- ⚖️ Die Debatte · Eine auf der Insel organisierte Modenschau hat die Kritik an der Nutzung des Standorts neu entfacht.
Es gibt Adressen, über die man nicht wie über andere sprechen kann. Mamula ist eine befestigte Insel am Eingang der Bucht von Kotor, auf der die italienischen faschistischen Besatzer 1942 etwa zweitausend Menschen internierten und die seit 2023 ein Hotel mit zweiunddreißig Zimmern beherbergt, das für die Saison 2026 von der Marke Banyan Tree übernommen wurde. Eine vor Ort organisierte Modenschau hat eine Debatte wieder entfacht, die selbst zehn Jahre Verfahren nicht beenden konnten.
Eine Festung aus dem 19. Jahrhundert, ein Lager im Jahr 1942
Die Insel ist nach dem österreichischen General benannt, der die Festung Mitte des 19. Jahrhunderts erbauen ließ, um die Einfahrt in die Bucht zu sichern. Während des Zweiten Weltkriegs richteten Mussolinis italienische Truppen dort ein Internierungslager ein: 1942 wurden dort etwa zweitausend Menschen festgehalten, und während der rund achtzehnmonatigen Nutzung des Standorts starben mehr als hundert Menschen durch Hinrichtung oder an Hunger. Die Insel blieb jahrzehntelang sich selbst überlassen und wurde von Ausflüglern sowie den Familien der ehemaligen Häftlinge besucht.
Zehn Jahre Kontroverse, noch vor der Eröffnung
Die Entscheidung der montenegrinischen Regierung, die Insel zu konzessionieren, um dort ein Hotel zu errichten, liegt etwa zehn Jahre zurück und stieß sofort auf heftigen Widerstand. Ehemalige Häftlinge und Opferfamilien sprachen sich öffentlich dagegen aus und argumentierten, dass ein Ort des Leidens kein Ort für Erholung sein könne. Das Projekt wurde dennoch zu Ende geführt: Eröffnung im Jahr 2023 unter dem Namen Mamula Island, gefolgt von der Übernahme durch die Banyan-Gruppe für die Saison 2026, womit das Haus zu einer ihrer ersten europäischen Adressen wird.
| Lage | Insel am Eingang der Bucht von Kotor, Montenegro |
| Festung | erbaut im 19. Jahrhundert von der österreichischen Armee |
| Internierungslager | 1942 · ca. 2.000 Menschen · über 100 Tote |
| Dauer des Lagerbetriebs | etwa 18 Monate |
| Hoteleröffnung | 2023 |
| Marke Banyan Tree | Saison 2026 |
| Kapazität | 32 Zimmer und Suiten |
Was das Hotel eingerichtet hat und was ihm vorgeworfen wird


Der Betreiber hat die Geschichte des Ortes nicht verschwiegen. In der Festung wurde eine Gedenkgalerie eingerichtet, die Informationen über die Vergangenheit der Insel, persönliche Gegenstände, Zeitzeugenberichte und die Namen der Gefangenen bereitstellt. Die von den Kritikern aufgeworfene Frage betrifft nicht die Existenz dieser Galerie, sondern deren Ausreichendsein. Die Menschenrechtsaktivistin Hatidža Gusić argumentiert, dass die Nutzung des Standorts als Luxushotel und erst recht als Kulisse für Modeveranstaltungen das Gedenken an diejenigen überufert, die dort eingesperrt waren und starben. Die auf der Insel organisierte Modenschau hat diese Kritik kristallisiert: Es ist eine Sache, einen geschichtsträchtigen Ort zu bewohnen, aber eine andere, dort eine Show zu veranstalten.
Ein Präzedenzfall, der über Montenegro hinausreicht
Diese Frage ist nicht nur auf Mamula beschränkt. Europa zählt Dutzende umgenutzte Haftstätten, die meist zu Museen und manchmal zu Hotels umgewandelt wurden, und jede Umnutzung entfacht dieselbe Diskussion neu: Wer entscheidet, was aus einem Ort wird, wenn seine letzten Zeitzeugen verschwinden? Die Befürworter des Projekts erinnern daran, dass eine sich selbst überlassene Insel nichts bewahrt, dass die Festung verfiel und dass die Gedenkgalerie Besucher erreicht, die sonst nie von Mamula gehört hätten. Die Kritiker erwidern, dass der Erhalt der Bausubstanz keinen Freibrief für die Nutzung darstellt und dass der Badetourismus nicht neutral ist.
Unsere Sichtweise
Man kann eine Festung restaurieren und gleichzeitig respektieren, was dort geschehen ist: Beides schließt sich nicht aus, und die Gedenkgalerie beweist, dass der Betreiber sich dessen bewusst ist. Aber eine Gedenkstätte setzt eine Grenze, die der Luxus nicht gerne akzeptiert, und diese Grenze nennt sich Programmgestaltung: Eine Modenschau auf einer Insel, auf der hundert Menschen verhungert sind, ist kein betriebliches Detail, sondern eine Entscheidung. Genau hier und nicht beim Prinzip der Umnutzung entscheidet sich der Fall. Eine internationale Marke, die eine solche Adresse übernimmt, erbt deren Geschichte ebenso wie ihre Mauern.
Gut zu wissen vor der Anreise
- Mamula Island by Banyan Tree · Insel Mamula, Bucht von Kotor, Montenegro · ausschließlicher Zugang per Boot von Herceg Novi
- Die Gedenkgalerie kann innerhalb der Festungsmmauern besichtigt werden · sie zeigt die Namen der auf der Insel festgehaltenen Personen
- Der Standort befindet sich im geschützten Bereich der Bucht von Kotor, die zum Welterbe gehört
→ Alle unsere Beiträge zu Mamula Island by Banyan Tree (5 Artikel)












