Das Wichtigste
- Die Preatoni Group, Eigentümerin der Domina-Resorts, hat am 14. August 2026 ihren Halbjahresbericht veröffentlicht. Die Hotelsparte erfüllt ihre Ziele in Ägypten und Italien, ohne dass konkrete Zahlen genannt wurden.
- Die Gruppe hebt einen Anstieg des durchschnittlichen Zimmererlöses sowie stabile Auslastungsraten hervor, insbesondere in Sharm El Sheikh, wo sich ihr wichtigster Vermögenswert befindet.
- Die einzigen veröffentlichten Finanzdaten stammen von Pro Kapital Grupp, der zu 49,62 % gehaltenen baltischen Immobilientochter: 26,1 Mio. € Umsatz im ersten Halbjahr (Rückgang um 9 %) und ein nahezu halbiertes Nettoergebnis von 3,3 Mio. €.
- Die Liquiditätslage verbessert sich hingegen: 9,3 Mio. € operativer Cashflow im Vergleich zu 8,5 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Zudem wurden Wandelanleihen über 8,2 Mio. € von 2026 auf 2028 prolongiert.
- Die Gruppe bleibt mit Blick auf das Jahresende vorsichtig, bedingt durch das geopolitische Umfeld und dessen Auswirkungen auf die Energiekosten.
Der Name dürfte dem breiten Publikum kaum bekannt sein, und doch besitzt die Preatoni Group eine der weitläufigsten Hotelanlagen am Roten Meer. Das an der Euronext Growth in Paris notierte Unternehmen legte am 14. August seine Halbjahresbilanz vor. Bei der Lektüre ist jedoch Vorsicht geboten: Die veröffentlichten Zahlen betreffen nicht das Hotelgewerbe, sondern die baltische Immobilientochter. Ein Blick auf das, was dieses Halbjahr tatsächlich aussagt.

Was die Gruppe über ihre Hotels berichtet
Für den Geschäftsbereich Hotellerie und Tourismus beschränkt sich Preatoni auf eine qualitative Einschätzung. Die Entwicklung im ersten Halbjahr entspreche den Erwartungen der Geschäftsleitung, sowohl insgesamt als auch für jede der wesentlichen Einheiten in Ägypten und Italien. Zwei positive Signale werden hervorgehoben: der Anstieg des durchschnittlichen Zimmererlöses und die stabilen Auslastungsraten, vor allem in Sharm El Sheikh.
Die Gruppe versieht diese Feststellung jedoch mit einem deutlichen Vorbehalt. Das geopolitische Umfeld wird als wenig vorteilhaft beschrieben, und die internationalen Unsicherheiten, insbesondere im Energiesektor, veranlassen das Management zu einer vorsichtigen Haltung für die kommenden Monate. Für einen Betreiber, dessen wichtigstes Standbein eine ägyptische Ferienanlage ist, sind die Energiekosten und die Wahrnehmung des Reiseziels von ganz realer Bedeutung.
Domina Coral Bay, das Herzstück des Portfolios
Es ist mit Abstand der bedeutendste Vermögenswert der Gruppe – sowohl nach Fläche als auch nach Ertrag – und befindet sich vollständig in eigenem Besitz und Betrieb. Domina Coral Bay erstreckt sich über 738.000 m² Konzerngrundstück und umfasst sieben Fünf-Sterne-Hotels im Standard- und Luxussegment mit insgesamt 2.165 Zimmern und Villen. Die Gruppe betreibt davon 965 Einheiten, ein Teil davon im Timesharing-Modell.
Die Anlage funktioniert wie eine eigenständige kleine Küstenstadt: zwölf Restaurants, mehrere Bars, Pools, ein Beach Club, eine Tauchbasis, ein Spa, Geschäfte, ein Casino, eine Diskothek und sogar eine eigene Klinik. Dieses Konzept erklärt, warum die Auslastung hier so aufmerksam beobachtet wird: Sie gilt als Gradmesser für die gesamte Sparte.




Drei italienische Häuser als Ergänzung
Das übrige Portfolio befindet sich in Italien und ist deutlich kompakter aufgestellt. Domina Zagarella ist ein Vier-Sterne-Resort direkt am Meer in Santa Flavia in der Bucht von Porticello, rund zwanzig Kilometer südöstlich von Palermo. Auf einem fünf Hektar großen Areal mit privatem Zugang zum Meer bietet es 381 Einheiten, darunter 43 Villen (324 davon durch die Gruppe betrieben), zwei Restaurants, drei Pools, eine Tauchschule, zwei Padel-Plätze und ein Kongresszentrum für bis zu 500 Personen. Ein Konzessionsprojekt am Strand Lido Olivella soll der Anlage künftig einen privaten Strandabschnitt sichern.
In Mailand setzt das Hotel Domina Milano Fiera auf eine ganz andere Klientel: vier Sterne, 194 Zimmer, Tagungsräume und ein Fitnessbereich, ergänzt durch die unmittelbare Nähe zur Messe Fiera Milano – einem der beiden Kongresszentren der Stadt mit jährlich über 200 Veranstaltungen. Das Haus liegt zudem nur drei Kilometer vom Milano Innovation District entfernt, einem zukunftsorientierten Quartier für Wissenschaft und Forschung.
Die Residenz Domina Borgo degli Ulivi in Gardone Riviera am Gardasee umfasst schließlich 29 Apartments, die im Timesharing sowie in der klassischen Ferienvermietung geführt werden, eingebettet in einen zwei Hektar großen Park.
Die veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Immobiliensektor
Diesen Punkt gilt es zu unterscheiden: Die in der Mitteilung detailliert ausgewiesenen Halbjahresergebnisse beziehen sich auf die AS Pro Kapital Grupp, ein in Tallinn börsennotiertes Unternehmen, an dem Preatoni 49,62 % der Anteile hält und das die Immobilienentwicklung im Baltikum verantwortet. Sie geben somit keinen Aufschluss über die Rentabilität der Hotels.
| Pro Kapital Grupp | H1 2026 | H1 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz | 26,1 Mio. € | 28,5 Mio. € |
| Bruttomarge | 9,6 Mio. € | 10,2 Mio. € |
| Betriebsergebnis | 5,6 Mio. € | 7,5 Mio. € |
| Nettoergebnis | 3,3 Mio. € | 6,2 Mio. € |
| Operativer Cashflow | 9,3 Mio. € | 8,5 Mio. € |
Der Umsatzrückgang um 9 % wird auf den Produktmix zurückgeführt, also auf die Typologien der im Berichtszeitraum übergebenen Wohnungen. Dies ist ein typischer Mechanismus im Bauträgergeschäft: Erträge werden erst mit dem notariellen Eigentumsübergang verbucht, sodass ein Halbjahr maßgeblich vom Zeitplan der Baufertigstellungen abhängt. Der Rückgang des Nettoergebnisses von 6,2 auf 3,3 Mio. € fiel deutlicher aus als der des Umsatzes, während der operative Cashflow zulegen konnte.
Auf der Passivseite der Bilanz verschaffte sich das Unternehmen mehr Spielraum: Für Wandelanleihen im Umfang von 8,2 Mio. € (bei einem Gesamtvolumen von 18,7 Mio. €) wurde die Fälligkeit vom 31. Oktober 2026 auf den 31. Oktober 2028 verschoben. Dies bedeutet zwei zusätzliche Jahre an finanziellem Handlungsspielraum.

Stand der baltischen Bauprojekte
In Tallinn sind im Quartier Kristiine City im Projekt Uus-Kindrali bereits 90 % der Wohnungen im White Building veräußert, und das Nachbargebäude mit 90 Einheiten ist zu über 40 % vermarktet. Das Anfang 2026 gestartete Vorhaben Musketäri Majad mit 144 Wohnungen liegt im Plan, ebenso wie die Planungs- und Genehmigungsprozesse für weitere Maßnahmen im Viertel.
In Riga verläuft das Projekt Blue Marine planmäßig. In Vilnius behauptet sich City Villas mit gehobenem Preisniveau im exklusivsten Segment der Stadt. Der offizielle Verkaufsstart für das Projekt Borgo – 50 hochwertige Eigentumswohnungen in einem historischen Gebäude in der Altstadt von Vilnius – ist für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen.
Wie dieses Halbjahr einzuordnen ist
Die Preatoni Group nimmt in der Landschaft börsennotierter Hotelunternehmen eine Sonderstellung ein: Sie agiert weder als reiner Franchise-Betreiber noch als klassische Immobiliengesellschaft, sondern als Eigentümer und Betreiber, der seine Liegenschaften selbst besitzt und weiterentwickelt. Gegründet von Ernesto Preatoni – vom Unternehmen als einer der Pioniere beim Aufbau von Sharm El Sheikh bezeichnet –, beschäftigt die Gruppe mit Sitz in Frankreich über 1.500 Mitarbeiter.
Dieses Halbjahr hinterlässt ein zweigeteiltes Bild: ein Hotelgeschäft, das laut Management den Erwartungen entspricht, ohne dies mit Zahlen zu belegen, und eine Immobilientochter, die ein Übergangsjahr meistert und dabei ihre operative Liquidität stärkt. Erst der bevorstehende Jahresabschluss wird zeigen, ob sich der für Sharm El Sheikh gemeldete Anstieg der Zimmererlöse auch in den Geschäftszahlen widerspiegelt.









